Einblicke in die Seele eines Nachwuchstrainers – oder worüber man mal nachdenken sollte

Vorab: Einen ähnlichen Beitrag habe ich schon vor Jahren in den tiefen der sozialen Netzwerke gefunden, leider war dieser nicht mehr auffindbar, weshalb ich hier aus aktuellem Anlass meine eigenen Gedanken zum Besten gebe.

Was mache ich hier eigentlich? Wozu und für wen?
Diese Frage hat sich sicher schon jeder gestellt, der ein Ehrenamt inne hat und jeder beantwortet diese Frage für sich anders.
Der Eine ist Spielerpapa (so fing es bei mir an), der Andere möchte seine Leidenschaft für den Sport auch nach seiner Zeit als Aktiver weiterleben. Dann gibt es Trainer, die den sportlichen Erfolg lieben oder auch welche, die der Gesellschaft auch ohne eigenes Kind etwas zurückgeben möchten. Neben diesen gibt es sicher noch viele andere Gründe.
In der Ausübung ihrer Trainertätigkeit einen sie aber zwei grundsätzliche Dinge: sie machen das ehrenamtlich (Engagement OHNE Bezahlung!) und voller Leidenschaft.

Die Aufwandsentschädigung deckt nicht einmal die Fahrtkosten zu den Wettkämpfen. Unter dem Strich „zahlt jeder Trainer drauf“ – und das nicht nur in finanziell.
Nicht selten werden 8 oder mehr Stunden pro Woche der eigenen Freizeit für das Hobby der aktiven Vereinsmitglieder aufgebracht. Neben den 2×90 min Trainingszeit pro Woche, die für alle offensichtlich sind, kommen noch Zeiten für die Trainingsvor- und Nachbereitung (Planung der Inhalte, Anfahrt, Aufbau, Abbau, Elterngespräche, Heimfahrt) hinzu.
Zusätzlich wird noch der Spielbetrieb organisiert (Spielvorbereitung im Kopf, Einladung der Spieler, Abkreiden des Platzes, Anfahrt, Aufbau, Abbau, Nachbereitung, Heimfahrt, Spielberichtserfassung usw.). Dazwischen immer wieder informieren, organisieren, telefonieren, WhatsApp.

Das eigene Familienleben bleibt dabei oft auf der Strecke.
Klingt bis hierher – zugegebenermaßen – ganz schön nach Geheule. Da drängt sich dem Zuschauer (wahrscheinlich) zu Recht der Gedanke „Euch zwingt ja keiner, Ihr seid doch selber Schuld!“ auf, vielleicht noch die Frage „Und warum macht ihr das dann?“
Auf diese Frage habe ich leider keine eindeutige Antwort, die naheliegendste ist wahrscheinlich: „Weil es kein Anderer macht“.

Jetzt aber zum eigentlichen Teil…
All das oben aufgezählte dürft Ihr als Eltern oder aktive Vereinsmitglieder von uns zum Schnäppchenpreis von nur 7,- € im Monat erwarten.
Und da 7,- € pro Monat gerade mal ausreichen, um die Unkosten für das Rasengrün zu decken, haben wir auch einige Erwartungen an Euch, denn ohne Euch ist das Vereinsleben nicht möglich.
Dazu gehört zum Beispiel, dass Ihr Euch den Regeln unseres Vereinslebens anpasst, unsere Entscheidungen akzeptiert und uns nicht wie Eure Angestellten oder Dienstleister behandelt.

Bei uns im Verein wird hauptsächlich Nachwuchsarbeit in Mannschaftssportarten betrieben. Seht es uns bitte nach, dass unsere Entscheidungen im Sinne der jeweiligen Mehrheit gefällt werden.
Wir können dabei nicht immer auf individuelle Belange eingehen.
Auch fehlt unserem Verein die Infrastruktur oder das Personal um alles allein bewältigen zu können. Wir sind deshalb auf die Kooperation mit anderen Vereinen angewiesen und dankbar, dass dies meist ohne größere Probleme möglich ist, als Beispiel sei hier die Organisation von Spielgemeinschaften oder die gemeinsame Nutzung von Sportstätten angeführt.

Wir alle (Euch eingeschlossen!) haben das gleiche Ziel: die bestmögliche Entwicklung jedes einzelnen Sportlers. Dafür wollen wir jedes mal unser Bestes geben – auch wenn das nicht immer funktioniert.

Warum ich das eigentlich schreibe?
Weil bei den meisten negativen Erfahrungen, die wir machen müssen, die Eltern eine Rolle spielen.
Klar sind viele die besseren Trainer, Organisatoren, Taktiker oder Pädagogen – zumindest wenn man dem „Gemecker“ hinter vorgehaltener Hand glauben möchte. Warum bringen sich diese Leute dann nicht selber ins Vereinsleben ein und übernehmen Verantwortung? Ihr seid jederzeit herzlich willkommen!

Auf der anderen Seite ist auch niemand gezwungen, sich unseren Regeln oder Ansprüchen zu unterwerfen. Es gibt neben unserem noch viele andere Vereine, die auch Individualsportarten anbieten (für alle, denen es schwer fällt sich einem Team unterzuordnen).

Ich spreche sicher für viele von uns, wenn ich sage, dass wir keine Lust haben, in unserer Freizeit – Woche für Woche – den „Erklärbären“ für diejenigen zu spielen, die bei unseren Informationsveranstaltungen (Elternabend) durch Abwesenheit geglänzt haben oder nicht zuhören bzw. verstehen wollten.
Glücklicherweise sind das aber die wenigsten (dennoch nervt das am meisten).

Die überwältigende Mehrheit unserer Eltern – und dafür sind wir sehr dankbar – bringen sich ein und lassen uns ihre Unterstützung zukommen, sei es als Kassenwart oder Kaffee-Versorger bei Heimspielen, sei es bei der Organisation von Fahrgemeinschaften bei Auswärtsspielen oder der Teilnahme an Arbeitseinsätzen. Nicht zu vergessen unsere Mannschaftspaten (die allesamt aus dem Elternkreis kommen) und Sponsoren ohne die alles, was über Rasenpflege hinausgeht, nicht möglich wäre (z.B. Beschaffung von Trainingsmaterial, Instandhaltungskosten für Sportstätten und Vereinsheim, Trikotsätze, Teilnahmegebühren für Spielbetrieb und Wettkämpfe, Versicherungen usw. – nur um einige zu nennen).

Diese Zeilen habe ich nicht verfasst, um meinen Frust loszuwerden. Sie sollen lediglich zum Nachdenken anregen, denn für viele, die ein Ehrenamt begleiten ist spätestens dann Schluss, wenn der Frust größer wird als die Lust.

Danke an alle, die sich Zeit genommen und bis hierher gelesen haben.
In diesem Sinne höre ich jetzt auch auf zu lamentieren, denn es gilt noch ein Spiel vorzubereiten.

Viele Grüße vom Zscheppliner Rasen,
Marco

PS: KONSTRUKTIVE Kritik ist ausdrücklich erwünscht!

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